Verlagsgruppe Oetinger

Interview

Ute Krause

Mit welcher Ihrer Figuren haben Sie am meisten gemeinsam?
Hmm, wahrscheinlich mit allen, sonst hätte ich sie so gar nicht erfinden können.


Wie sind Sie auf Osman, den Dschinn gekommen?
Damit mein Sohn abends etwas schläfriger wurde, habe ich das Licht  ausgemacht und ihm Geschichten im Dunkeln erzählt, die ich jeden Abend für ihn erfand. Dabei war auch zufällig eine Geschichte über einen Jungen dabei, der im Supermarkt hinter den Limonadenflaschen eine Stimme hört.  Dass der Dschinn aus der Türkei stammen mußte, hatte etwas mit meiner Kindheit zu tun, denn ich habe dort zwei Jahre verbracht.


Würden Sie gern einen Tag mit Osman verbringen und was würden Sie mit ihm unternehmen?

Da bin ich mir nicht so sicher. Osman traue ich nicht so ganz über den Weg und ich müßte ständig aufpassen, daß er nicht wieder irgend etwas anstellt, das ich dann ausbaden muß, so wie der arme Anton. 


Wenn Sie die Möglichkeit hätten, in die Vergangenheit zu reisen, wohin und in welche Zeit würden sie reisen?

Dann würde ich mit Osman ins alte Stambul reisen, ich würde mit ihm gerne durch den Topkapi Palast schlendern und das Istanbul von damals erleben.


Wenn Osman Ihnen drei Wünsche erfüllen würde, welche wären das? 

Ein langes Leben, so wie Friedrich es sich am Ende des ersten Bandes wünschte, zweitens ein glückliches, langes Leben und drittens die Wunschmaschine vom Sams (da man ja weitere Wünsche – laut Dschinn-Regel Nr. 7 – von Osman nicht wünschen kann).


Sie sind u.a. in der Türkei, Nigeria, Indien und in den USA aufgewachsen? Inwiefern hat Sie Umstand geprägt und nimmt Einfluss auf Ihre Bücher?

Es hat mich sehr geprägt und mir eine große Offenheit und Zuneigung für andere Kulturen beschert. Als Kind beobachtet man ja nicht nur von außen, sondern ist mitten drin. Wir waren immer auf lokalen Schulen, nie abgeschirmt auf deutschen Botschaftsschulen. So haben wir viel vom Alltag des jeweiligen Landes mitbekommen. Ich habe die verrücktesten Dinge erlebt und gesehen. Ich habe gesehen zu welch kreativen Höhenflügen Menschen fähig sind, wenn sie improvisieren müssen.  Man lernt, daß man leicht mit weniger auskommt als man denkt, und daß es viele Lösungen zu Problemen gibt, nicht nur eine. Bei einem Intelligenztest, den ich dann in Deutschland nach dem Abi mal gemacht habe, hat mir diese Einstellung eher geschadet. Da wurde ich erstaunt gefragt, wie ich überhaupt das Abi geschafft habe. 


Sie sind Autorin, Illustratorin, Drehbuchautorin und Regisseurin. Welche dieser Tätigkeiten macht Ihnen am meisten Spaß?

Ich fürchte, alle. Doch man muß sich beschränken, wenn man in einer Sache wirklich gut sein will. Dadurch, dass ich ein Großteil meiner Schulbildung auf englisch hatte, habe ich lange Hemmungen gehabt, auf Deutsch zu schreiben und habe mich erst einmal aufs Bilderbücher schreiben und aufs Illustrieren beschränkt. Doch meine große Leidenschaft war immer das Schreiben und das Regieführen. Im Moment schreibe ich, wann immer die Zeit es erlaubt, und so ist vorletztes Jahr der erste Osman-Band entstanden, letztes Jahr der zweite und im Moment arbeite ich am dritten. Dann ist Schluß, denn ich habe noch viele andere Ideen für neue Kinderromane.


Welches Buch haben Sie als Kind gern gelesen?

Ich habe so viele Lieblingsbücher gehabt, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Aber um ein paar zu nennen: Alles von Astrid Lindgren und Erich Kästner, die Narnia-Bücher von CS Lewis, Tom Sawyer, Huckleberry Finn. Gerade die angelsächsische Kinderliteratur habe ich sehr geliebt. Es gab sogenannte Puffin Books, Taschenbücher für Kinder von vielen wunderbaren englischen Autoren, und wenn meine Mutter wieder einen neuen Stapel aus dem Basar mitbrachte (wir lebten zu der Zeit in Nigeria und Indien), war das immer ein herrlicher Moment.


Waren Sie gut in Deutsch?

In Grammatik hatte ich eine 5 minus und im Erfinden von Geschichten eine 1. Aber die Frage sollte eher heißen: Waren sie gut in Englisch und die Antwort lautet: Ja. Die letzten Schuljahre (ich war auf zehn verschiedenen Schulen in meinem Leben) habe ich auf einer deutsch-amerikanischen Schule in Berlin verbracht und meine damaligen Englisch-Lehrerin hat mich sehr darin bestärkt, die Karriere einzuschlagen, die ich gewählt habe. Das habe ich ihr nie vergessen und wir sind bis heute befreundet.


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